Eine ganz neue Holzklasse

Hamburgs Einwohnerzahl steigt stetig. Auch dank der vielen Studenten, die hier beste Bedingungen vorfinden. Bald können sich die Akademiker in spe in einem fast komplett aus Holz gebauten Wohnheim namens „Woodie“ niederlassen. Finanziert wird das Projekt von der HSH Nordbank, die über ausgezeichnetes Know-how auf dem Gebiet dieser speziellen Wohnform verfügt. Woodies Bauherren, Torsten Rieckmann und Achim Nagel, schätzen die maßgeschneiderte Finanzierung.

Diese knapp 20 Quadratmeter Wohnraum machen Lust auf das Studium. Der Boden, die Decke und die Wände sind nicht etwa aus Stein gemauert, sondern aus schickem, hellen Vollholz montiert – und verbreiten damit den gemütlichen Charme eines Holzhauses, wie er oft in nordischen Ländern zu finden ist.

Aus dem gleichen Holz sind die Möbel, wie das Bett und der Schreibtisch, gefertigt. Konsequent dem öko­lo­gisch­en Gedanken verpflichtet, besteht die Trittfläche aus Naturkautschuk. Dazu noch eine kleine Pantry und ein Duschbad – und fertig ist das Studentenapartment.

Wie bei einem übergrossen Lego-Spiel aufeinandergestapelt

Rendering des Wohnheims

Ort der Besichtigung: Ein auf den ersten Blick unscheinbarer Container, wie er täglich mil­li­onen­fach über die Welt­meere schippert. Das Rechteck ist Teil eines bisher einzig­artigen Pro­jekts. Aus 371 dieser Module entsteht ein völlig neuartiges Studentenwohnheim – und zugleich das größte Holzhaus Hamburgs. Sein Name: „Woodie“, angelehnt an das Haupt­bau­material.

Die einzelnen Module werden wie bei einem übergroßen Lego-Spiel aufeinandergestapelt und miteinander verschraubt und bieten ma­xi­male Flexibilität, da sie auch zusam­men­gelegt werden können. Nur das Erdgeschoss, das Dach und die Fahrstuhlschächte bestehen aus Brandschutzgründen aus Beton.

Grösse ist problematisch

In diesen Städten ist der studentische Wohnungsmarkt am stärksten angespannt*

In diesen Städten ist der studentische Wohnungsmarkt am stärksten angespannt*


* Ermittelt wird für 91 Städte ein Anspannungsindex für den studentischen Wohnungsmarkt. Dieser kann maximal 100 Punk­te betragen. Detailliert untersucht wurden für die Analyse 23 Faktoren von den WG-Preisen über das Immobilien­angebot, die Entwicklung der Studierenden- und Erstsemesterzahlen, die Altersstruktur der Bewohner bis hin zur Attrak­ti­vi­tät von Universität und Stadt für in- beziehungsweise ausländische Studierende.

Das Ganze reckt sich sechs Stockwerke hoch in den Himmel des Hamburger Stadtteils Wilhelmsburg. Nur neun Minuten mit der S-Bahn vom Hamburger Hauptbahnhof entfernt, bauen hier im aufsteigenden Quartier die Investoren Torsten Rieckmann, Geschäftsführender Gesellschafter der Firma Senectus Capital GmbH, und Achim Nagel, Geschäftsführender Gesellschafter der Firma Primus GmbH – es ist das erste gemeinsame Projekt der Bauherren.

In unmittelbarer Nachbarschaft sind schon ein Pflegeheim und ein Ärztehaus entstanden. Immer mit im Boot: die HSH Nordbank. „Wir haben die HSH Nordbank als sehr verlässlichen, engagierten und auf unsere Bedürfnisse eingehenden Finanzierer schätzen gelernt“, sagt Co-Investor Rieckmann. Gerade auf dem Gebiet der Entwicklung und Finanzierung von Studentenapartments komme der HSH Nordbank mit ihrem Fachwissen nahezu eine Monopolstellung zu.

Woodies Grundsteinlegung

Der gute Ruf der HSH Nordbank als Finan­zie­rungs­partner für Student-Housing- und andere Mikro-Wohnanlagen hat sich längst herum­ge­sprochen. Peter Axmann leitet das Immobilien­kun­den­geschäft der Bank und berichtet von An­ru­fen interessierter Projekt­entwickler, Be­trei­ber und Investoren aus ganz Deutschland. Sie schätzen die Erfahrungen der Experten, die sie bei der Finanzierung etlicher solcher Ob­jek­te in den vergangenen Jahren gesammelt haben. „Wir waren eines der ersten Institute, die diese besondere Wohnform finanziert hat, kennen nahezu jedes Projekt der vergangenen 20 Jahre und zudem alle großen Entwickler.“ Das Be­stands­volumen für temporäres Wohnen sei zwar im Vergleich mit dem für Büro-, Einzelhandels sowie Wohnimmobilien - das etwa 80 Prozent bei der HSH Nordbank ausmache - eher gering, wachse aber stetig und sei eine wichtige Nische in einem gut diversifizierten Portfolio, so Axmann.

Bankkunde Rieckmann reiste quer durch Deutschland, um den Markt für studentisches Wohnen zu sondieren. Rund 20 Häuser dieser speziellen Wohnform inspizierte er und lernte dabei: Viele sind in der Moderne angekommen, entstaubt vom zweifelhaften Charme des vorherigen Jahrhunderts - ein Haus nahezu aus Holz gab es jedoch noch nicht.

Ein wichtiger Aspekt des Bauens mit Holzmodulen ist die erhebliche Reduzierung der Bauzeit. „So werden wir Woodie in zehn Monaten fertigstellen, was im Vergleich mit einer konventionellen Bauweise eine Reduzierung um etwa die Hälfte ist. Zudem werden die Module aus der Fließbandproduktion bezugsfertig und versiegelt angeliefert, sodass dieMängelbeseitigung und Übergabe marginal sein wird“, sagt Co-Investor Achim Nagel. So sei es überhaupt erst möglich gewesen, den Bezug des Woodie zum Wintersemester 2017 sicherzustellen.

3, 2, 1… fertig!

Entwicklung der Studentenzahlen in Millionen, in den Wintersemestern 2007/2008 bis 2015/2016

Entwicklung der Studentenzahlen in den Wintersemestern 2007/2008 bis 2015/2016


Quelle: Statistisches Bundesamt

Aber auch noch aus anderen Gründen entschieden sich die Pioniere Nagel und Rieckmann für das Material. „Holz ist langlebig, bietet guten Schallschutz und trägt zum Klimaschutz bei“, erklärt Rieckmann. Die zwölf Zentimeter dicken Vollholzwände der einzelnen Module sowie eine zusätzliche Holzfassade liefern beste Wärmedämmwerte und lassen Schimmel gar nicht erst entstehen – KfW-Standard 55 inklusive.

Den Lieferanten der Module hatten die Investoren in Österreich gefunden. Die Firma Kaufmann Bausysteme im Bregenzer Wald fertig die Apartments mit Duschbad, Küchenzeile, Bett sowie Schreibtisch und montiert sie auf einem Stahlbetonsockel. Zwei der bezugsfertigen Wohnräume passen auf einen Lastwagen, der sie nach Hamburg bringt.

Der Entwurf für das Studentenwohnheim stammt von den Berliner Architekten Sauerbruch Hutton, die auch den 2013 fertiggestellten Neubau der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen im Nachbargebäude konzipiert hat. In dem Haus sitzt ein weiterer Architektenprofi: Hamburgs Oberbaudirektor Jörn Walter. Er lobt das Projekt des Woodie als „einmalig, innovativ und maßgeschneidert“.

„Vielen anderen Banken ist das Geschäft zu umständlich“

Blick auf die Woodie-Baustelle von oben

Maßgeschneidert ist auch die Finanzierung des 37-Millionen-Euro-Projekts, das durch einen auf zehn Jahre laufenden Kredit angelegt ist. Co-Investor Rieckmann: „Die HSH Nordbank versteht nicht nur das Projekt­finan­zierungs­ge­schäft, sondern kennt auch die Be­son­der­hei­ten die bei studentischem Wohnen bedacht werden müssen. Vielen anderen Banken ist das Geschäft zu komplex oder zu umständlich.“

Das Woodie ist ein Vorzeigebeispiel für einen Markt, der seit Jahren wächst. Das liegt auch an dem steigenden Anteil ausländischer Stu­die­ren­den, die nicht zuletzt schätzen, dass die staatlichen Universitäten hierzulande keine Studiengebühren verlangen. Insgesamt ist die Zahl der Studenten in Deutschland mit 2,8 Millionen zuletzt auf einen neuen Höchststand geklettert.

Peter Axmann sieht noch weitere Gründe für ein hohes Interesse an Mikro-Apartments: „Nicht nur Studenten und Auszubildende auch Singles und Berufstätige die am Wochenende nach Hause pendeln sind auf der Suche nach kleinen Wohnungen in den Metropolen. Die Nachfrage ist also hoch und das Angebot längst nicht ausreichend.“

Rund-um-sorglos-Paket für Studierende

Alles, was Studenten heutzutage an Service erwarten, bekommen sie im Woodie. Das Wichtigste, wie Co-Investor Rieckmann aus seiner Erfahrung weiß, ist ein schnelles Internet. Dazu wurde eine 100 Mbit-Leitung verlegt. Die Nutzung ist in der Warmmiete selbstverständlich enthalten. Im „Woodietorium“, dem gemeinsamen Aufent­halts­raum, können sich die Studenten austauschen. Zudem stehen eine DHL-Packstation , 400 Fahrradabstellplätze, 20 Autoparkplätze und eine „Waschmaschinen-Lounge zur Verfügung“. Ein in unmittelbarer Nähe befindlicher Carsharing-Anbieter runden das Angebot ab. „Woodie bietet ein Rund-um-sorglos Paket mit ökologisch sau­be­rem Gewissen“, sagt HSH Nordbank Immobilienchef Axmann.