Sicher verpackt

Deutschlands Mittelständler verbreitern ihre Finanzierungsbasis. Besonders Schuld­schein­darlehen florieren und spielen im anhaltenden Niedrigzinsumfeld ihre Vorteile für Emittenten und Investoren aus. Die POLIFILM Gruppe mit Holdingsitz in Köln, einer der welt­größten Anbieter von Extrusions- und Schutz­folien, schwört seit Langem auf den Schuldschein – und vertraut bei den Platzierungen dabei seit Jahren den Experten der HSH Nordbank.

Schutzfolie für Automotive
Schutzfolie für Automotive

Wenn irgendwo auf der Welt ein neues Auto auf den Hof des Händlers rollt, wenn ein edler Teppichboden erstmals im Hotelfoyer oder Büro ausgerollt wird, wenn ein neuer LCD-Bild­schirm an der Wand aufgehängt oder wenn eine sündhaft teure Hightech-Küche aus Edel­stahl in Betrieb genommen wird, ist eines sicher: Dann ist Schutzfolie mit im Spiel. Dabei ist die Wahr­schein­lich­keit hoch, dass die Folie aus einem der rund um den Globus verstreuten Werke der POLIFILM Gruppe stammt, die ihren Holdingsstammsitz im Herzen Kölns hat. POLIFILM ist mit weltweit rund 1.400 Mit­ar­bei­tern nach eigenen Angaben die globale Num­mer zwei im boomenden Markt für Schutz­folien. Auch im Bereich der Extrusions­folien auf Poly­ethylen­basis spielt POLIFILM unter den Großen der Welt mit – von Stretchfolien zum Einbinden von Paletten über Lebensmittelverpackungen bis hin zu Abdeckplanen etwa in der Landwirtschaft.

Das Familienunternehmen befindet sich mittlerweile im fünften Jahrzehnt seines Bestehens. Firmengründer Lutz Runkel, Jahrgang 1948, ist heute Geschäftsführer der Holdinggesellschaft POLIFILM Holding GmbH. 2011 wur­den seine Söhne in die Geschäftsführung berufen, wo Bastian Runkel, Jahrgang 1976, die POLIFILM EXTRU­SION GmbH vertritt, Christian Runkel, Jahrgang 1979, die POLIFILM PROTECTION GmbH. Unterstützung be­kommt das Vater-Sohn-Sohn-Gespann durch eine Vielzahl familienfremder Experten, die mitunter aber schon so lange an Bord sind, dass sie getrost als Familienangehörige bezeichnet werden könnten.

Dünne Folien, dicke Finanzierungen

Walter Hantzsche, Leiter Finanzen auf Holdingebene, ist eines dieser Urgesteine. Voller Stolz blickt er auf die rasante Ent­wick­lung der vergangenen Jahre und Jahrzehnte. Auch sein ruhiges und bestimmtes Händ­chen als Chef-Treasurer des Hauses war entscheidend für das sprunghafte Wachstum. „Unser Geschäft ist sehr kapital­intensiv“, sagt Hantzsche. „Fünf bis sieben Millionen Euro kostet eine Spezialmaschine. Allein in unserem Stand­ort bei Bitterfeld, dem größten seiner Art in Europa, stehen bis zu 60 dieser Maschinen“, berichtet er. Rund 200.000 Tonnen Poly­ethylen­folie werden im Werk in Sachsen-Anhalt jedes Jahr hergestellt.

Die millionenschweren Maschinen werden in der Regel über fünf Jahre finanziert. Die wirt­schaft­liche Nutzungs­dauer beträgt aber – gute und regelmäßige Wartung voraus­gesetzt – bis zu 25 Jahre. Hantzsche nennt das in der Spra­che des Treasurers einen „Gap in der Finanz­planung“, der ge­deckt sein will. Ein probates Mittel der Wahl stellt für POLIFILM dabei seit Jahren das Schuldscheindarlehen dar.

Im Schnitt bringt POLIFILM nach Hantzsches Worten alle zwei bis drei Jahre einen neuen Schuldschein auf den Markt, meist mit einer Laufzeit von fünf Jahren. Den letzten Titel dieser Art emittierte der Folien­multi im Herbst 2016. Mit im Banken­kon­sortium befand sich auch wieder die HSH Nord­bank, seit Anfang der 2000er fester Finanzierungs- und Beratungspartner von POLIFILM beim Thema Schuld­schein­darlehen, aber auch bei der klassischen Betriebsmittelfinanzierung.

„Ich schätze die verlässlichen Ratgeber und guten Zuhörer aufseiten der HSH Nordbank.“

Walter Hantzsche, Leiter Finanzen der POLIFILM GmbH

70 Millionen Euro erlöste POLIFILM mit dem vorerst letzten Schuldschein im Herbst 2016. „Der Schuldschein ist für uns mittler­weile Routine“, sagt Hantzsche. Am Partner HSH Nordbank schätzt er vor allem den direkten und guten Draht zu den potenziellen Investoren. „Die Haupt­ab­nehmer unserer Schuldscheine sind seit jeher die deutschen Sparkassen“, so Hantzsche. Als eine der führenden Landesbanken kann die HSH Nordbank hier eine echte Trumpfkarte ausspielen.

Die Abnehmer der Schuldscheindarlehen sind POLIFILM gut vertraut – ein echter Unterschied etwa zu den ano­nymen Anleihen. „Und auch gegenüber dem klassischen Konsortialkredit holt das Schuld­schein­darlehen immer mehr auf. Das Produkt liegt aktuell einfach im Trend“, sagt Mark Bussmann, Leiter des Bereichs Treasury & Mar­kets der HSH Nordbank. Dazu kommt eine weitere Entwicklung: Immer mehr Schuldscheine werden im Rah­men von Private Placements an die Investoren gebracht.

Mit einem Neuemissionsvolumen von 19,7 Milliarden Euro seit Jahresbeginn 2016 wurde der alte Rekordwert des Jahres 2015 bereits im dritten Quartal 2016 leicht über­troffen. Am Jahresende 2016 lag das gesamte Emis­sions­volumen sogar bei mehr als 26 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Im Jahr 2010 betrug das gesamte Emis­sions­volumen am deutschen Markt für Schuld­scheine laut HSH Nordbank Research nur 4,7 Milliarden Euro.

Im Rückenwind von Porsche

Verpackungsfolie
Verpackungsfolie

„Die wichtigsten Treiber sind der Trend zu Großtransaktionen – oftmals zur Re­fi­nan­zie­rung von M&A-Aktivitäten – , die temporär zunehmende Substitution von Anleihen durch Schuldscheindarlehen sowie eine verstärkte Nutzung des Schuldscheins durch ausländische Emittenten“, heißt es in einer Studie der BayernLB aus dem Oktober 2016.

Nicht nur Industrieunternehmen und Dienst­leister­firmen aus dem Mittelstand haben die Corporate-Schuldschein­darlehen, kurz CSSD, für sich entdeckt. Mittlerweile gibt es auch Emissionen im Milliardenformat aus der Hand der deutschen Großindustrie. So holte sich beispielsweise Sportwagen­bauer Porsche per Schuldschein 2016 frische 1,1 Milliarden Euro ins Haus. Insgesamt lagen 2016 vier Emissionen oberhalb der Milliardenmarke.

Investoren bevorzugen Laufzeiten zwischen fünf und sieben Jahren. Fast die Hälfte aller Schuldscheine weist diese Laufzeiten auf. Vor allem das anhaltend niedrige Zinsumfeld hat dazu geführt, dass Papiere mit kürzeren Laufzeiten weniger stark nachgefragt werden.

Zunehmend verbreitert und inter­natio­nalisiert präsentiert sich auch die Nachfrageseite. Zu den traditionellen Abnehmern von Schuldscheindarlehen gehören inländische Kreditinstitute, insbesondere die regional ver­anker­ten Sparkassen. Sie diversifizieren auf diese Weise ihr Kreditportfolio, das meist auf die Region be­schränkt ist. Hinzu gesellen sich mehr und mehr Versicherungsgesellschaften, Pensionskassen, Sozial­ver­sicherungs­träger sowie internationale Investoren. Vereinzelt steuerten ausländische Anleger zuletzt vor allem bei größeren Schuldscheindarlehen bereits mehr als die Hälfte der Nachfrage bei. Gerade bei Investoren aus Asien stehen deutsche Schuldscheindarlehen ob ihrer Sicherheit derzeit hoch im Kurs.

Die Schuldscheinangebote sind häufig überzeichnet, der Markt bleibt damit weiterhin aufnahmefähig. Die Börsen AG Hamburg-Hannover hat sich auf diese Entwicklung eingestellt und bietet seit März 2017 einen außerbörslichen Sekundärmarkt für Schuldscheindarlehen an.

M&A-Geschäft treibt den Markt

Im Niedrigzinsumfeld sind alle Investoren auf der Suche nach besser verzinsten Anlagen – und dieses kleine bisschen Mehr bei noch überschaubarem Risiko finden sie etwa bei deutschen Schuldscheindarlehen. Unter­nehmen wie POLIFILM wiederum nutzen die gegenwärtig sehr niedrigen Zinsen und Risikoprämien, um sich zu vorteilhaften Konditionen mit Fremdkapital zu versorgen. Häufig, um damit Expansionen und Über­nahmen zu finanzieren.

„Auch gegenüber dem klassischen Konsortialkredit holt das Schuldscheindarlehen immer mehr auf. Das Produkt liegt aktuell einfach im Trend.“

Mark Bussmann, Leiter Treasury & Markets bei der HSH Nordbank

Gleichwohl ist das Schuldscheindarlehen nach den Worten von Mark Bussmann kein so einfaches Produkt wie etwa ein klassischer Kredit. „Wir sind hier vor allem als Berater gefragt“, meint Bussmann. Das unterstreicht auch Walter Hantzsche, der die „verlässlichen Ratgeber und guten Zuhörer aufseiten der HSH Nordbank“ seit Jahren zu schätzen weiß.

Trend zum Schuldschein

Aktivitäten am deutschen Schuldscheinmarkt

Trend zum Schuldschein - Aktivitäten am deutschen Schuldscheinmarkt


Quelle: HSH Nordbank Research

Ein weiteres aktuelles Thema, mit dem sich Bussmanns Team zurzeit im Kundenauftrag befasst, sind kluge Kon­zepte für das aktive Finanzmanagement. „Geld zu Negativ­zinsen bei der Bank zu lagern, kann nicht das Ziel sein“, meint der Experte der HSH Nordbank. Eine mögliche Antwort gegen die Negativ­zins­falle: strukturierte Einlageprodukte, eine Kombination aus kurz- und langfristigem Termingeld, oder auch kluge Konstruktionen aus Put- und Call-Features.