Viel Neues im Handel

Hamburg ist die deutsche Handels­me­tro­pole. Damit das in den disruptiven Zeiten von Di­gi­ta­li­sie­rung und Glo­ba­li­sie­rung so bleibt, sollten sich alt­ein­ge­sessene Handels­häuser weiter­ent­wick­eln. Wichtige Impulse dafür liefern Start-ups. Mit der Grün­dung des Next Com­merce Ac­ce­le­ra­tor wollen die HSH Nord­bank und ihre Partner jetzt dabei helfen, den di­gi­ta­len Wan­del im Han­del zu unterstützen. Das Joint-Venture führt Start-ups, etablierte Un­ter­nehmen und Ex­per­ten zusammen – zum Wohle der Beteiligten und des Standorts Hamburg.

Mit gut 110 Milliarden Euro ist das „Brutto­in­lands­produkt“ Hamburgs – also die Summe aller dort hergestellten Pro­dukte und Dienst­leistungen – weit bedeutsamer als das gan­zer Staaten wie Serbien oder Kroatien. Vor allem die gro­ßen, ge­schichts­träch­tig­en Handels­häuser wie Edeka, Otto, Helm, Cremer, Tchibo oder Hawesko haben die Freie und Hanse­stadt Ham­burg wirt­schaft­lich stark und be­deutend ge­macht und prägen sie. „HH“ könnte daher getrost auch mit „Handels­stadt Ham­burg“ übersetzt werden.

Besonders für Handelsunternehmen gilt Heraklits Sinnspruch: „Beständig ist nur der Wandel.“
In den disruptiven Zeiten von Di­gi­ta­li­sie­rung und Globalisierung gilt Heraklits Sinnspruch für Handels­unter­neh­men besonders: „Beständig ist nur der Wandel.“

Der mit Recht zufriedene Blick in den Rück­spiegel der Wirt­schafts­ge­schich­te sollte nicht dazu verleiten, das Au­gen­merk auf die Zu­kunft zu ver­nach­läs­sigen. Besonders für Han­dels­un­ter­neh­men gilt Heraklits Sinn­spruch: „Be­stän­dig ist nur der Wandel.“ Neue Wett­be­wer­ber aus dem In- und Ausland – meist digitale Schnell­boote mit klugen Köpfen an Bord, atem­be­raubender Technik, viel Wage­mut und nied­rigen Kosten­struk­turen – geraten ins Fahr­was­ser der gro­ßen Handels­tanker. Droht die Kollision?

Nicht, wenn es nach der HSH Nord­bank geht. Sie und ihre Partner beim frisch ge­star­teten Projekt Next Com­merce Ac­ce­le­rator (NCA) setzen auf Kooperation statt Kon­fron­ta­tion. Auch Wirtschafts­senator Frank Horch sieht im Ac­ce­le­rator-Ansatz große Po­ten­ziale. „Hamburg ist für das Thema E-Commerce der ideale Stand­ort. Hier treffen rund 10.000 Handels­unter­neh­men auf markt­führende Dienst­leis­ter wie SinnerSchrader, pilot, Publicis­Pixelpark und Novomind. Hin­zu kommt ein dynamisches Start-up-Öko­sys­tem mit jährlich mehr als 1.000 Grün­dung­en im IT- und E-Com­merce-Umfeld.“

Digitale Transformation - Wie fit fühlen sich Unternehmen?

Ausgangsfrage: Inwieweit trifft die Aus­sage: "Wir fühlen uns gut gerüstet für die Transformation." für Ihr Un­ter­nehmen zu?

Nur knapp jesdes dritte Unternehmen fühlt sich gut gerüstet.

Quelle: Bundesdruckerei GmbH/Bitkom Research, 2016

Auf der Überholspur

Der NCA unterstützt künftig Start-ups und Gründerteams aus ganz Europa bei der Entwicklung digitaler, innovativer E-Commerce-Geschäftsmodelle.
Der NCA unterstützt künftig Start-ups und Grün­der­teams aus ganz Europa bei der Ent­wick­lung digitaler, innovativer E-Com­merce-Ge­schäfts­modelle.

Um deren Zahl weiter zu steigern, ha­ben die HSH Nord­bank und die Ham­burger Spar­kasse (Haspa) den NCA ins Leben gerufen: einen Start-up-Be­schleu­niger für inno­vative Ge­schäfts­modelle. Der NCA unterstützt künftig Start-ups und Grün­der­teams aus ganz Europa bei der Ent­wick­lung digitaler, innovativer E-Commerce-Ge­schäfts­modelle. „Er bietet neben Be­tei­li­gungs­kapital von bis zu 50.000 Euro Zu­gang zu po­ten­ziellen Kunden und Geschäfts­partnern, ein maß­ge­schnei­dertes Trai­nings- und Coaching­pro­gramm sowie attraktive Räum­lich­keiten in Co-Working-Spaces“, sagt Patrick Miljes. Der Bereichs­leiter Unter­nehmens­kun­den der HSH Nord­bank ist einer der wesentlichen In­i­ti­a­toren des Projekts.

„Der NCA bietet neben Be­tei­li­gungs­kapital von bis zu 50.000 Euro Zu­gang zu po­ten­zi­ellen Kunden und Ge­schäfts­partnern, ein mass­ge­schneidertes Trainings- und Coach­ing­programm sowie attraktive Räum­lich­keiten in Co-Working-Spaces.“

Patrick Miljes, Bereichsleiter Unternehmenskunden der HSH Nord­bank AG

Patrick Miljes, Bereichsleiter Unternehmenskunden
Patrick Miljes, Bereichsleiter Unternehmenskunden

Als Gegenleistung für die Hilfe in der Früh­phase ihres Un­ter­nehmer­tums geben die Start-ups Unter­nehmens­an­teile zwischen drei und zehn Prozent an die NCA-Ge­sell­schaf­ter ab. Auch räumlich kommen sich die neuen Partner näher. „Die Start-ups verlegen ihren Arbeits­schwer­punkt für mindestens sechs Monate nach Ham­burg, um dort unter Ideal­be­din­gung­en ihr Unternehmenswachstum voran­zu­trei­ben“, sagt Miljes. „Unser Ziel ist es, dass der Großteil der jungen Firmen dann dau­er­haft in Hamburg sesshaft wird – frei nach dem Motto ,Gekommen, um zu blei­ben’.“ Wer mag, kann als junger Gründer zusätzlich einen wei­te­ren Monat bei einem Partner-Accelerator in Schang­hai verbringen.

Branchen mit dem grössten Schwerpunkt und höchsten Investitionsanteil in Digitalisierung

Digitalisierungsinvestitionen nach Branchen

Quelle: KPMG Global Pulse Insights Survey - Q2/2016

Eine Fülle an Use Cases

Derzeit werden das Managementteam und eine Gruppe von zehn Investoren für den Accelerator zusam­men­ge­stellt. „Wir sprechen dabei etablierte, ansässige Unter­neh­men an, die mit den teil­nehm­en­den Start-ups ko­ope­rie­ren und ihnen Markt­zu­gänge schaffen wollen. Die Handels­häuser profitieren vom Know-how der jungen Firmen und be­kom­men so frische Impulse für ihr eigenes Business“, be­schreibt Miljes die Idee des Win-win hinter dem Projekt NCA. „Wo bekommen Sie sonst schon 350 bis 500 Use Cases für Ihr eigenes Unter­nehmen präsentiert?“, fragt der Bereichsleiter Unternehmenskunden der HSH Nordbank.

„Wo bekommen Sie sonst schon 350 bis 500 Use Cases für Ihr eigenes Unternehmen präsentiert?“

Patrick Miljes, Bereichsleiter Unternehmenskunden der HSH Nord­bank AG

Das Coaching der Jungfirmen über­nimmt eine rund 200-köpfige Men­toren­gruppe mit Unter­neh­mern, Spe­zi­a­lis­ten und Vertretern von Groß­unter­neh­men. Die erste „Klasse“ mit fünf Start-ups soll in wenigen Monaten in Ham­burg starten. Jährlich soll dann jeweils eine weitere Klasse folgen. Langfristiges Ziel der Macher: „Wir wollen unter die Top drei der Accelatoren im Bereich E-Commerce in Eu­ro­pa auf­stei­gen und die besten Start-ups des Kontinents nach Ham­burg holen“, nennt Miljes das Ziel.

Der Bereich Unter­nehmens­kunden der HSH Nord­bank

Vom Miteinander von Groß und Klein, Jung und Alt wer­den Start-ups und In­ves­to­ren gleichermaßen profitieren. „Die Haspa und die HSH Nordbank sind mit ihren zu­sam­men mehr als 5.000 Handels­kun­den ideale Ge­sell­schaf­ter“, betont Bodo Krä­ter von Skill­net. Die Unter­neh­mens­be­ra­tung unterstützt die Gesellschafter beim Aufbau des NCA. Mit dem ebenfalls von Skillnet unterstützen Aufbau des „Next Media Accelerator“ der Deut­schen Presse­agen­tur (dpa) wurden bereits mehrere Fol­ge­fi­nan­zie­rungen zum Teil im Millionen­bereich von eu­ro­pä­isch­en und US-ame­ri­ka­nischen Investoren realisiert.

Frische Impulse für das eigene Business
Frische Impulse für das eigene Business

Auch die beteiligten Bankhäuser pro­fi­tieren. Zum einen, indem sie ihre lang­jäh­rigen Fir­men­kun­den dabei un­ter­stüt­zen, noch fitter für die digitale Zukunft zu werden – und so die Kun­den­be­ziehung in­ten­si­vieren. Zum anderen, indem sie selbst Impulse bekommen für neue Produkte und An­ge­bote. „Auch das Fi­nan­zie­rungs­ge­schäft wandelt sich im digitalen Zeit­alter rasant“, betont Miljes. Weil immer häu­figer Maschinen und Lager­hallen als klas­sische Sicherheiten durch schwer be­leih­bare Software und kluge Ideen ersetzt werden, steht etwa das Kreditgeschäft vor einem fun­da­men­talen Wandel. Beispiele sind Fi­nan­zie­rungs­mo­delle wie Pay-as-you-earn, bei denen das Re­pay­ment unsicherer wird: Erträge etwa für Lea­sing­güter fallen nur an, wenn auch Erträge aus dem Objekt erwirtschaftet werden. „Diese innovativen Formen der Fi­nan­zie­rung­en erfordern von Un­ter­neh­men wie Banken neues Denken, vor allem be­züg­lich der Risiko­steuerung. Auch hier können uns pfiffige Start-ups sicher unterstützen“, freut sich Miljes bereits auf den Aus­tausch mit den künftigen Gründern und Neu-Ham­burgern.