Zukunft Instant Payment

Januar 2018 – Einheitlicher Rechtsrahmen für Instant Payment (IP) seit November 2017. Handel kann von IP profitieren. HSH Nordbank bietet künftig Lösungen für Kunden.

Ein Überweisungsbetrag wird innerhalb von zehn Sekunden dem Konto des Empfängers gutgeschrieben – das ermöglicht Instant Payment (IP). Der Auftrag kann dabei per Online-Banking oder mit einer Smartphone-App erfolgen. Nach Einschätzung der Bundesbank werden solche Echtzeitzahlungen in Europa bald Alltag sein. Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele geht davon aus, dass bis 2019 der Markt mit dem Service versorgt wird, der sich dann schrittweise zum Standard entwickeln kann. „Instant Payment wird zunächst vor allem für Privatkunden interessant, aber auch Unternehmen mit Privatkunden – und/oder Onlinegeschäft werden mit zunehmender Verbreitung den Einfluss auf Verbraucherverhalten und Geschäftsmodelle spüren“, sagt Yoram Matalon, Leiter Transaction Banking bei der HSH Nordbank. Für die Kreditkartenbranche dagegen sei ein Erfolg von Instant Payment eine ernste Herausforderung, denn deren Rolle als Intermediär am Point of Sale ist bei Instant Payments bedroht.

„Die Vorstellung, dass ein Dienstleister künftig in Echtzeit Zahlungen von einem Kunden annehmen und darüber verfügen kann, ist elektrisierend.“

Yoram Matalon, Leiter Transaction Banking bei der HSH Nordbank

Instant Payment

Für die neuen Echtzeitüberweisungen gilt ab November 2017 ein einheitlicher Rechtsrahmen und die ersten Anbieter sind bereits operativ am Markt. „Besonders der Handel kann von Instant Payment stark profitieren“, sagt Matalon. „Die Vorstellung, dass ein Dienstleister künftig in Echtzeit Zahlungen von einem Kunden annehmen und darüber verfügen kann, ist elektrisierend.“ Die Banken schaffen dafür die Voraussetzungen, indem sie die Infrastruktur zur Buchung der Echtzeitzahlungen bereitstellen.

Derzeit sind IP-Überweisungen noch auf 15.000 Euro beschränkt. „Dies ist aber erst der Anfang, diese Summen werden sich steigern“, sagt Matalon. Die Bankenbranche sei für die neue Technologie offen: „Alle haben die Möglichkeiten von IP erkannt, die für ganz verschiedene Use Cases einsetzbar sind, z.B. für Logistik- und Versanddienstleister, die Zug-um-Zug bei Übergabe der Ware an den Kunden Zahlungen innerhalb von 10 Sekunden gutgeschrieben bekommen können.“, so Matalon. Das Problem der fehlenden Marktdurchdringung stelle sich umso weniger, je mehr Player auf IP setzen. „Wir rechnen damit, dass im Juli 2018 auch die gesamte Sparkassen-Finanzgruppe bei IP an Bord ist“, sagt Nico Frommholz, Leiter Cash Management bei der HSH Nordbank. Eine Abdeckung von 85 bis 90 Prozent sei bis Ende 2019 durchaus erreichbar. In Europa seien die Vorreiter in Sachen IP in Skandinavien zu finden. „Besonders die Peer-to-Peer-Zahlungen von Smartphone zu Smartphone sind in diesen Ländern sehr beliebt und verdrängen zunehmend das Bargeld,“ sagt Frommholz.

Instant Payment als guter Nährboden für neue Geschäftsmodelle

Guter Nährboden für neue Geschäftsmodelle

Nachdem die Bankenbranche mit dem Online-Bezahlverfahren paydirekt auf konkurrierende Angebote von Online-Bezahldiensten wie Paypal reagiert hat, kommt sie mit Instant Payment nun den Wünschen des Regulators nach. Die erwartete Etablierung von Instant Payment bereitet den Nährboden für neue Geschäftsmodelle, die oft von Fintechs entwickelt werden. Ein Argument für eine verstärkte Kooperation der Banken mit Fintechs. Ein Indiz für die Attraktivität des Markts ist auch der Umstand, dass in den letzten Monaten einige Payment-Dienstleister für hohe Summen den Besitzer wechselten.

Wie sich der Handel diesen neuen Markt erschließen kann, wird derzeit in Arbeitsgruppen, wie dem Handelsverband Deutschland (HDE), diskutiert. An den Beratungen beteiligt sich auch die HSH Nordbank. „Wir als Bank des Händlers werden unseren Kunden geeignete Lösungen rechtzeitig bereitstellen“, sagt Matalon. Bevor IP für Firmenkunden relevant wird, muss das System aber flächendeckend nutzbar sein. Hier kommen auf die Finanzdienstleister erhebliche Investitionen zu, unter anderem auch weil IP technisch 24 Stunden an 7 Tagen in der Woche verfügbar sein muss. Ein weiteres Problem ist, dass der NFC-Kanal bei Apple Geräten in Deutschland noch nicht freigegeben ist, um die Zahlungsdetails vom Händler an das Smartphone des Kunden zu übertragen. Obwohl neuere iPhones den nötigen NFC-Chip schon besitzen, ist die Apple-Community bei IP auf die Nutzung eines QR-Codes angewiesen. Hierfür müssen Lösungen am POS entwickelt werden.“, sagt Frommholz.