Milchstudie der HSH Nordbank zeigt neue Strategien für Molkereien auf

  • Branche geprägt vom Konsolidierungsdruck
  • Wege zum nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg

Hamburg/Kiel, 8. März 2017 - Die HSH Nordbank gibt mit ihrer ersten Branchenstudie Molkerei­wirt­schaft einen umfassenden Überblick des deutschen Milch­marktes: Mit einem Umsatz von 22,6 Milliarden Euro ist die Milch­indus­trie innerhalb der deutschen Ernährungs­wirt­schaft die bedeutendste Einzelbranche.

Sie verarbeitet jährlich knapp 32 Millionen Tonnen Roh-milch, von denen 65 Prozent in Genossenschaftsmolkereien und der Rest in Privatmolkerei-en weiterverarbeitet werden. Rund 45 Prozent der Rohmilch werden für die Käseproduktion verwendet, 15 Prozent für Konsummilch und zehn Prozent für die Herstellung von Joghurt, Sahne und Desserts. Zu Dauermilchprodukten wie Milch- und Molkepulver, Butter und Kondensmilch werden 23 Prozent der Rohmilcherzeugung verarbeitet. Die Studie unter-sucht auch die Kunden, das Nachfrageverhalten sowie die Ertragslage und vergleicht die Geschäftsmodelle von Privat- und Genossenschaftsmolkereien.

„Mit Milchprodukten nachhaltig Geld verdienen“
Obwohl die Branche mit einer durchschnittlichen operativen Gewinnspanne (EBIT-Marge) von etwa zwei Prozent deutlich unter dem Mittelwert der Ernährungswirtschaft liegt und in einem sehr harten Wettbewerbsumfeld steht, „kann mit Milchprodukten durchaus nachhaltig Geld verdient werden“, sagte Tim Muhle, Leiter Ernährungswirtschaft bei der HSH Nordbank. Um auch künftig profitabel zu arbeiten und im Wettbewerb zu bestehen, sei eine gute strategische Positionierung für die Molkereien mindestens genauso wichtig wie die Bereitschaft der Gesellschafter, diese Strategie auch nachhaltig zu verfolgen. Genossenschafts- und Privatmolkereien haben für ihre strategische Ausrichtung unterschiedliche Voraussetzungen, die sich auch in ihren Geschäftsmodellen widerspiegeln. Während die Genossenschaftsmolkereien bisher vor allem auf „Masse statt Klasse“ setzten und eine Strategie der Kostenführerschaft verfolgten, positionierten sich die meisten Privatmolkereien als Markenhersteller - und sind mit dieser Spezialisierung im Durchschnitt ertragsstärker. Die Zweiteilung der Branche ist primär auf die Besonderheiten und Limitierungen durch die mehrheitlich genossenschaftlich geprägten Eigentümerstrukturen zurückzuführen. Eine Ausrichtung nur als Kostenführer bei Basis-Milchprodukten wird für Genossenschaften allerdings nicht reichen, wenn sie ihren milchliefernden Mitgliedern bzw. Vertragslieferanten auch künftig wettbewerbsfähige Milchpreise zahlen möchten. Voraussetzungen für eine optimale Positionierung sind eine solide Finanzkraft und Eigenkapitalausstattung. Hier haben die Genossenschaftsmolkereien wegen ihrer eigentümerseitigen und gesellschaftsrechtlichen Restriktionen einen gewissen Nachteil im Vergleich zu den privaten Molkereien.

Kombination aus Spezialisierung und Kooperationen

Gleichwohl haben die großen genossenschaftlichen Milchverarbeiter wie DMK und Hochwald Foods bei ihrer strategischen Ausrichtung in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte erzielt: Neben effizienteren Produktionsstrukturen investierten sie auch in Markenprodukte und die Diversifikation in angrenzende Produktfelder. „Ein Gewinn wären flexiblere Lieferverträge mit ihren Mitgliedern, mit denen eine automatische Milchmengenbremse implementiert werden könnte“, sagte Muhle. Der Konsolidierungsdruck unter den Genossenschaften werde anhalten. Um dagegen zu steuern, könnte gerade für die kleineren Molkereien „die Kombination aus Spezialisierung und Kooperationen eine Überlegungsstrategie sein“. Existierten 1988 laut Milchindustrie-Verband e. V. noch 565 Betriebe, so waren 2015 noch 124 Molkereien übrig geblieben.

Die „Geiz ist geil“-Mentalität gilt in Deutschland auch für Milchprodukte. Deshalb stehen in den Supermärkten und Discountern preiswerte Handelsmarken und Sonderangebote von Markenherstellern hoch in der Gunst der Konsumenten – anders als in Frankreich, Italien oder Spanien, wo die Verbraucher für hochwertige Lebensmittel auch deutliche Preisaufschläge zu zahlen bereit sind. Angesichts der hohen Konzentration im deutschen Lebensmitteleinzelhandel (LEH) und einer erheblichen Überversorgung mit Milch ist der Wettbewerb im Kühlregal knallhart. Der LEH kann bei den deutschen Großmolkereien Preiszugeständ-nisse bis an die Schmerzgrenze durchsetzen. Eine Veränderung der Kräfteverhältnisse hin zu mehr Marktmacht für die Molkereien lässt sich wohl nur durch Vermarktungskooperationen und/oder eine fortgesetzte Konsolidierung der Branche erreichen. So könnten Genossenschaftsmolkereien beispielsweise kooperieren, um Basis-Milchprodukte zu vertreiben oder sich zu Großmolkereien zusammenschließen. Auch eine Verknappung des Angebots durch eine deutliche Senkung der Milcherzeugung würde zu einer Stärkung ihrer Marktposition gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel beitragen.

Die Ernährungswirtschaft ist ein Kerngeschäftsfeld der HSH Nordbank und steht seit der Gründung der Bank im Fokus. Mit 2,2 Milliarden Euro Gesamtkreditvolumen (2016) begleitet das Team Ernährung der Bank rund 170 Kunden deutschlandweit.

Die vollständige Studie können Sie über andre.niewels@hsh-nordbank.com bestellen. Eine Leseprobe finden Sie auf unserer Website.

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