Windenergie: Der Markt in Europa wird einheitlicher – und bietet neue Chancen

  • HSH-Studie: Neue Auktionsverfahren machen Windstrom billiger
  • Windstrom rechnet sich teilweise schon ohne Förderung
  • Deutschland bleibt größter Windenergiemarkt Europas
  • Aber: Zubau wird sich 2018 und 2019 verlangsamen
  • ECA und PPA – neue Instrumente werden wichtiger

Hamburg/Kiel, 21. September 2018 - Gemäß den Vorgaben der Europäischen Union haben sich inzwischen verpflichtende Auktionen in vielen Ländern durchgesetzt und den angestrebten Druck auf die Vergütungshöhen entfaltet. In vielen Ländern liegen diese nur noch leicht über dem aktuellen Strompreisniveau, in einigen sogar schon darunter. Das heißt: Die Windenergie braucht zusehends weniger staatliche Förderung. Auf dem aktuellen Strompreisniveau sind Neubauprojekte in einigen Ländern an guten Standorten bereits ohne Unterstützung der Gesetzgeber realisierbar. Das ist ein Ergebnis der aktuellen Windstudie der HSH Nordbank.

„Windenergie wird unter anderem durch den technischen Fortschritt immer konkurrenzfähiger. Der Markt funktioniert zusehends ohne staatliche Förderung,“ sagt Lars Quandel, Leiter Energie & Infrastruktur der HSH Nordbank. „Damit eröffnen sich für alle Beteiligten neue Chancen. Mittel- und langfristig wird die Bedeutung von Windenergie bei der Stromproduktion weiter zunehmen.“ Die HSH Nordbank ist seit rund 30 Jahren in der Finanzierung von Projekten der Erneuerbaren Energien aktiv. Sie gehört damit zu den Pionieren dieser Branche – und ist einer der drei führenden Finanzierer von Wind- und Solarprojekten in Europa. 2017 realisierte die HSH Nordbank in diesem Bereich so viele Geschäftsabschlüsse wie nie zuvor: Insgesamt wurden knapp 50 Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von gut 1,1 Milliarden Euro abgeschlossen.

Im Jahr 2017 hat der Übergang zu einer wettbewerbsbasierten Vergabe von Fördermitteln in Europa noch einmal zu einem neuen Rekordvolumen geführt. Viele Projekte nutzten Übergangsregelungen, um noch unter das alte Förderrecht zu schlüpfen. Mit einem Bruttozubau von knapp 16,9 Gigawatt (GW) war 2017 deshalb ein neues Rekordjahr beim Windenergieanlagenzubau in Europa. Mit 13,7 Gigawatt entfiel der größte Teil auf Projekte an Land, auf das Konto von Offshore-Anlagen gingen 3,2 GW. Mit 6,1 GW war Deutschland in Europa Spitzenreiter (37,5% Anteil) beim Zubau, dahinter folgten Großbritannien mit 4,3 GW (26,5% Anteil) und Frankreich mit 1,7 GW (gut 10% Anteil).

Allerdings – auch das ist eine zentrale Aussage der Studie – wird der Zubau 2018 und 2019 mit einem prognostizierten Volumen von 12 bis 13 GW deutlich langsamer vorangehen. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass 2016 gerade in Deutschland noch viele Projekte unter dem alten Förderregime genehmigt wurden und es zu Vorzieheffekten gekommen ist. Gleichzeitig gab es in den ersten drei Auktionen 2017 in Deutschland fast nur Zuschläge für Gebote von Bürgerenergiegesellschaften. Diese waren aber mit Projekten ohne BImSchG-Genehmigung angetreten, wodurch es beim Bau zu Verzögerungen von etwa zwei Jahren kommt. Gleichzeitig ringt Frankreich mit einer Neuordnung der Genehmigungsverfahren. Deshalb können seit fast einem Jahr für neue Projekte keine Umweltgenehmigungen erteilt werden.

Nach dieser schwächeren Phase beim Zubau in den Jahren 2018 und 2019 rechnet die Studie für die Jahre 2020 und 2021 aber erneut mit einem Rekordvolumen beim Zubau in Europa von jeweils 19 GW. Vor allem in Ländern wie Spanien und Schweden dürfte es zu einem spürbaren Ausbau der Windenergie kommen. „Der Zubau auf internationalen Märkten spielt eine große Rolle. Wie schon in der Vergangenheit begleiten wir unsere Kunden bei ihren internationalen Geschäften“, sagt Lars Quandel, Leiter Energie & Infrastruktur der HSH Nordbank, „In vielen Ländern verfügen wir durch bereits realisierte Projekte über große Erfahrung und können uns zügig auf die dynamischen Veränderungen in den Märkten einstellen.“

Bis 2025 dürfte der jährliche Bruttozubau in Europa danach bei einer Leistung von jährlich etwa 16 GW liegen. Langfristig rechnen die Autoren der Studie – auch aufgrund der Bedeutung klimafreundlicher Energiegewinnung – mit einem weiteren Ausbau der Windenergie. Gleichzeitig profitiert die Windenergiebranche seit längerem von einem förderlichen Finanzmarktumfeld, das neben einem sehr niedrigen Zinsniveau und niedrigen Kreditrisikoprämien von ermäßigten Anforderungen an die Eigenkapitalrendite geprägt ist. Zudem stehen Windpark-Investments bei institutionellen Anlegern als „Alternative Assets“ mit gut abgesichertem Cashflow hoch im Kurs.

Durch die sich ändernden Marktbedingungen gewinnen neue Instrumente beim Bau von Windenergieanlagen an Bedeutung – vor allem sogenannte Power Purchase Agreements (PPA) sowie Garantien von staatlichen Exportkreditagenturen, sogenannte „ECA-Deckungen“. Bei Power Purchase Agreements schließen die Wind- oder Solarparkbetreiber direkte Strombezugsverträge mit Unternehmen. Da sich die Erneuerbare Energien-Branche perspektivisch auf ein Auslaufen von staatlich garantierten Einspeisevergütungen einstellen muss, können Direktabnahmeverträge mit Großkunden eine langfristige Erlössicherheit sicherstellen. Die Wachstumsraten in diesem noch jungen Marktsegment sind beeindruckend: So wurden 2017 in Europa Corporate PPA mit dem Rekord-Volumen von 1,44 Gigawatt abgeschlossen – knapp 20 Prozent mehr als im Vorjahr.

Aktuell ist die Ökostromvermarktung im Wege eines PPA in Deutschland noch gesetzlich benachteiligt, denn hier muss sämtlicher Strom über die Strombörse verkauft werden, um eine EEG-Förderung zu erhalten. Bislang werden PPA-Verträge vor allem in Schweden, Norwegen, den Niederlanden und Großbritannien abgeschlossen. Doch die anstehende Neuregelung der EU-Richtlinie zur Förderung der Erneuerbaren Energien soll die bestehenden Hemmnisse zur Direktvermarktung von Ökostrom mittels PPA in allen Mitgliedsstaaten ab 2021 beseitigen.

Da viele Projektentwickler mit ihrem großen Know-how verstärkt internationale Märkte – auch außerhalb Europas – erschließen, werden Garantien von staatlichen Exportkreditagenturen (sogenannte ECA-Deckungen) ebenfalls wichtiger. Außereuropäische Zielmärkte sind im Bereich der Windenergie teilweise noch weniger entwickelt. Allerdings bringen diese Märkte neue Herausforderungen mit sich. So sind die länderspezifischen Besonderheiten über den vollen Projektlebenszyklus für ausländische Investoren und projektfinanzierende Banken richtig einzuschätzen. Höhere Renditeanforderungen und ungünstigere Rahmenbedingungen für die Darlehensvergabe bis hin zu Investitionszurückhaltung können die Folge sein. ECA-Deckungen sind dabei ein geeigneter Baustein zur Risikosteuerung für Projektentwickler und Investoren. Denn neben ihrem primären Zweck sind ECA-Deckungen auch bei der Projektfinanzierung nutzbar und können die Erschließung neuer Märkte mit erhöhten Länderrisiken erleichtern.

„Der Zubau in den einzelnen Windkraftmärkten, Power Purchase Agreements und ECA-Deckungen werden bei der WindEnergy-Messe in Hamburg intensiv diskutiert werden“, sagt Lars Quandel. „Diese Themen bewegen eine Branche, die sich immer weiter entwickelt und die immer weiter wächst.“

Sie finden die HSH Nordbank auf der WindEnergy in Hamburg in Halle A4 an Stand 318.

Hier die Leseprobe der Branchenstudie Windenergie

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