Studie: Stationärer Handel ist optimale Vertriebsform für frische Lebensmittel

Hamburg/Kiel, 28. September 2018 - Die Prognosen für den Absatz frischer Lebensmitteln via Online waren vor und auch nach dem Markteintritt von Amazon Fresh im vergangenen Jahr sehr optimistisch. Doch auch ein Jahr später kommt der E-Food-Markt in Deutschland praktisch nicht vom Fleck. Die Onlinequote liegt bei gerade einmal einem Prozent, Lebensmittel werden nach wie vor hauptsächlich im stationären Lebensmitteleinzelhandel (LEH) gekauft.

Die HSH Nordbank, die seit Jahrzehnten viele Kunden aus der Ernährungswirtschaft intensiv betreut, beleuchtet in ihrer aktuellen Studie „Frische macht den Unterschied – kann der Handel liefern?“ die Chancen des stationären Handels, sich auf die veränderten Rahmenbedingungen einzustellen. Die gemeinsam mit dem EHI Retail Institut er-stellte Studie vergleicht auch die Wettbewerber im LEH und legt dar, welche Geschäftsmodelle in Gefahr sind und welche im Onlinehandel funktionieren können.

„Gerade das Frischesortiment ist für den LEH von besonderer Bedeutung, denn es macht einen großen Teil des Wocheneinkaufs der Verbraucher aus und stellt einen wesentlichen Ertragsfaktor dar“, sagt Tim Muhle, Leiter Ernährungswirtschaft der HSH Nordbank. Um frische Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Fleisch, Wurstwaren und Käse in wirklich guter Qualität zu liefern, ist ein erheblicher Logistikaufwand nötig – dieser wird dann vom Kunden über Liefergebühren oder höhere Produktpreise zu tragen sein. Hinzu kommt, dass der Verbraucher gerade die frischen Produkte selber auswählen und prüfen möchte. Muhle: „Das kann noch kein Onlineshop bieten, deshalb ist der stationäre Handel - noch - die optimale Vertriebsform“. Allerdings sehen wir erste Konzepte von regionalen Lieferdiensten, die schon sehr viel richtig machen “ Das größte Absatzpotenzial für Online-Lebensmittelhändler liegt in der nahen Zukunft vorerst weiter im Trockensegment und bei den Nonfood-Artikeln. In diesen Warengruppen kann der E-Food-Handel mit Direktlieferung an den Kunden noch deutlich an Volumen zulegen.

Blick auf die europäischen Märkte Grossbritannien und Frankreich

Die Studie „Frische macht den Unterschied – kann der Handel liefern?“ geht auch der Frage nach, welche Erkenntnisse sich aus den Strukturen der wesentlich größeren E-Food-Märkte in Großbritannien und Frankreich für den deutschen Markt ableiten lassen. Die Lieferkonzepte Click & Collect / Click & Drive-in – der Käufer holt die Warenbestellung beim Supermarkt oder in einem Abhollager ab – werden von den Verbrauchern in Frankreich und Großbritannien deutlich besser akzeptiert als die kostenpflichtige Lieferung nach Hause. Diese Konzepte können auch in Deutschland, zumindest in ländlichen Regionen, funktionieren, da der sehr preisbewusste Käufer dafür nicht mehr bezahlen muss als für seine eigene Fahrt zum Supermarkt.

„Um ihre Kunden auch weiterhin erfolgreich an sich zu binden, sollten die stationären Händler sich in den verschiedenen Marktformen mit den passenden Multichannel-Angeboten positionieren“, sagt Tim Muhle, Leiter Ernährungswirtschaft der HSH Nordbank. Auch Serviceleistungen und Zusatzangebote wie die persönliche Beratung an der Bedientheke, Promotions, die kostenlose Bargeldabhebung („Cash Back“) beim Bezahlvorgang oder auch handelsgastronomische Angebote erhöhen die Attraktivität eines Marktes.

Der Onlinehandel kann zwar liefern, resümiert die Studie, doch der Verbraucher möchte frische Produkte – im Gegensatz zu anderen, gerne online eingekauften Waren – bislang gar nicht geliefert bekommen. Der LEH wird da daher auch in Zukunft nicht leicht Online zu erschließen sein.

Hier die Leseprobe der Branchenstudie Lebensmitteleinzelhandel (LEH)

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