HSH Nordbank: Privatisierung prägt Neun­monats­ergebnis

  • 9-M Konzerngewinn vor Steuern in 2018 bei 8 (Vj. 201) Mio. Euro
  • Garantie belastet mit -188 Mio. Euro – inkl. Ausgleichszahlung für vorzeitige Beendigung
  • Verwaltungsaufwand um 13 % auf -319 Mio. Euro reduziert
  • CET1-Quote mit 16,1 % (31.12.2017: pro forma 15,4 %) auf gutem Niveau gefestigt
  • Bilanzsumme weiter auf 61,3 (31.12.17: 70,4) Mrd. Euro verdichtet
  • Leverage Ratio mit 8,1 % sehr hoch – solide Bilanzstruktur

Hamburg/Kiel, 16. November 2018 - Die HSH Nordbank hat im dritten Quartal ihre Kräfte weiter auf die anstehende Privatisierung konzentriert und zugleich im operativen Geschäft ein zufriedenstellendes Konzernergebnis erzielt. Dank Einsparungen auf der Kostenseite, einer soliden Geschäftsentwicklung sowie Sanierungserfolgen im Schiffskreditportfolio wurden hohe, im Zusammenhang mit der Privatisierung angefallene Kosten vollständig ausgeglichen. Die wichtigen Kennzahlen für Kapital und Liquidität sind weiterhin auf hohem Niveau.

„Mit der Anfang November erzielten Einigung zum nahtlosen Übergang der HSH Nordbank in den Haftungsverbund der privaten Banken haben wir eine der wesentlichen Hürden für den Eigentümerwechsel genommen. Wir stehen unmittelbar vor dem Abschluss der Privatisierung und gehen von einem sehr zeitnahen Closing aus – danach beginnt für die Bank eine neue Zeitrechnung“, sagte Stefan Ermisch, CEO der HSH Nordbank. „Unsere tiefgreifende Transformation zu einer nachhaltig profitablen Bank wird ein immenser Kraftakt. In den kommenden Monaten werden wir neue Potenziale erschließen und uns darauf konzentrieren, eine Geschäftsbank aus dem Norden mit klarem Profil im deutschen Bankenmarkt zu etablieren.“

Der Kaufvertrag für die Bank wurde am 28. Februar 2018 unterzeichnet. Künftige Eigentümer werden die privaten und voneinander unabhängigen Investoren Cerberus European Investments LP, J. C. Flowers & Co. LLC, GoldenTree Asset Management L.P., Centaurus Capital LP und die BAWAG P.S.K. AG, beziehungsweise von diesen initiierte Fonds sein.

Privatisierungseffekte belasten Konzernergebnis

Das Konzernergebnis vor Steuern beläuft sich auf 8 (Vorjahreszeitraum: 201) Mio. Euro und liegt dank einer soliden operativen Entwicklung, deutlichen Kostensenkungen und Auflösungen in der Risikovorsorge über den Erwartungen. Denn ein hoher Aufwand für die Zweitverlustgarantie von -188 (-116) Mio. Euro belastete das Ergebnis maßgeblich, da zuzüglich zu der Grundprämie eine Ausgleichszahlung in Höhe von -100 Mio. Euro für die vorzeitige Aufhebung der Zweitverlustgarantie anfiel. Hinzu kamen Restrukturierungs- und Privatisierungskosten in Höhe von -49 (-43) Mio. Euro sowie der Aufwand für Bankenabgabe und Einlagensicherung in Summe von -34 (-41) Mio. Euro.

Auf Basis des Ergebnisses vor Steuern errechnet sich für den Konzern eine Eigenkapitalrendite v. St. (RoE) von 0,2 % (31.12.2017: -9,7 %). Ungeachtet der Verbesserung seit Jahresultimo 2017 liegt diese für die Bank künftig zentrale Steuerungsgröße weit unter dem bis Ende 2021 zu erreichenden Ambitionsniveau eines RoE vor Steuern von mindestens 8 %. Angesichts des Aufwands für latente Steuern in Höhe von -110 Mio. Euro per Ende September ergibt sich ein Verlust nach Steuern von -102 (176) Mio. Euro.

Zum Konzernergebnis trug der Vorsteuergewinn der Kernbank in Höhe von 475 (668) Mio. Euro bei. Die unter Sonstige & Konsolidierung gebündelten Gesamtbankpositionen, inklusive Restrukturierungs- und Transformationskosten, belasteten den Konzern mit insgesamt -237 (-16) Mio. Euro. Das Ergebnis vor Steuern der perspektivisch aufzulösenden Abbaubank ist ebenfalls erwartungsgemäß negativ und schlug mit -230 (-451) Mio. Euro zu Buche.

Verwaltungsaufwand sinkt um 13% – Wertpapierverkäufe zurückgefahren

Der Gesamtertrag im Konzern liegt mit 488 (993) Mio. Euro auf erwartetem Niveau. Im Vorjahr gab es deutlich höhere Erträge aus dem gesteuerten Verkauf von Wertpapieren, die zur Kompensation hoher Belastungen aus den Altkrediten der Abbaubank realisiert worden waren.

Der Zinsüberschuss verbesserte sich mit 398 (390) Mio. Euro leicht gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Wesentlich dazu beigetragen haben Erträge aus dem operativen Geschäft, wobei sich hier auch die erfreuliche Entwicklung der Neugeschäftsmargen aufgrund der stringenten Rentabilitätsanforderungen der Bank bemerkbar machte. Die positive Resonanz der Marktteilnehmer auf die Privatisierung der Bank spiegelte sich zudem in einer Verbesserung der Funding-Spreads. Gegenläufig wirkten die in Summe spürbaren Belastungen für die transformationsbedingte Liquiditätsbevorratung und weitere Refinanzierungskosten.

Der Provisionsüberschuss beläuft sich auf 22 (52) Mio. Euro und blieb damit unter dem Vorjahreswert, der deutlich durch Erträge aus der Restrukturierung von leistungsgestörten Altkrediten geprägt wurde.

Das Ergebnis aus FVPL-kategorisierten Finanzinstrumenten wurde durch nachlaufende Bewertungseffekte im Zusammenhang mit der Portfolio-Transaktion geprägt und belastet den Konzernertrag mit -25 (159) Mio. Euro. Im Vorjahreszeitraum wurde das Ergebnis spürbar vom positiven Devisenergebnis sowie von Wertsteigerungen im Credit-Investment-Portfolio begünstigt.

Das Finanzanlage-Ergebnis (inklusive sonstiger Ergebnispositionen) beinhaltet im Wesentlichen die gegenüber Vorjahr deutlich zurückgefahrenen Realisierungsgewinne aus Wertpapierverkäufen und trug mit 101 (406) Mio. Euro zum Gesamtertrag bei.

Auf der Kostenseite hat die Bank weitere Fortschritte erzielt und den Verwaltungsaufwand um rund 13% auf -319 (-366) Mio. Euro gesenkt. Dabei haben ein gezieltes Kostenmanagement sowie Einsparungen bei Projekten und Gebäuden die Sachkosten auf -159 (-184) Mio. Euro verringert. In den Personalkosten von -144 (-167) Mio. Euro spiegelt sich die planmäßig rückläufige Anzahl der Vollzeitarbeitskräfte, die sich gegenüber Jahresultimo 2017 um 206 auf 1.720 verringerte.

Die Cost-Income-Ratio von knapp 60 % liegt derzeit noch weit über dem bis Ende 2021 zu erreichenden Zielwert von höchstens 40 %. Hier gilt es, die Kennziffer auf Basis klar identifizierter Ertrags- und Kostenpotenziale nach Closing sukzessive deutlich zu verbessern.

Operatives Geschäft entwickelt sich solide

Das operative Geschäft entwickelte sich in den ersten drei Quartalen solide, wenngleich das Neugeschäftsvolumen in einem wettbewerbsintensiven Umfeld aufgrund der strikten Ertrags- und Risikovorgaben mit 5,4 (6,4) Mrd. Euro unter Vorjahr blieb. Zuzüglich der rund 0,4 Mrd. Euro zur Syndizierung vorgesehener Kredite, überwiegend aus dem Immobilienbereich, beliefen sich die neu kontrahierten Finanzierungen auf 5,8 Mrd. Euro. In der erfreulichen Entwicklung der Neugeschäftsmargen zeigte sich die zunehmend erfolgreiche Rentabilitätsfokussierung der Bank.

Im Segment Immobilienkunden nutzte die Bank ihre gute Marktposition und schrieb 3,2 (3,4) Mrd. Euro Neugeschäft. Das Segment Unternehmenskunden kontrahierte in einem von hohem Wettbewerb geprägten Umfeld 1,8 (2,4) Mrd. Euro. Bei den Finanzierungen im Shipping wurde das Vorjahresniveau von 0,4 (0,4) Mrd. Euro in Folge strikter Risk-/Returnkriterien gehalten.

Kreditrisikovorsorge nach Auflösungen im Schiffsportfolio spürbar positiv

Die Risikovorsorge im Konzern beläuft sich nach Deviseneffekten und Sicherungswirkung aus dem Kreditderivat auf 60 (-322) Mio. Euro und profitiert von Erholungstendenzen in den relevanten Märkten und Auflösungen aufgrund erfolgreicher Sanierungen bei Schiffsfinanzierungen.

Mit der Rechnungslegung nach IFRS 9 und der damit einhergehenden Fair-Value-Bilanzierung der Portfolio-Transaktion sowie dank des fortlaufenden Abbaus von Altkrediten hat sich die Non-Performing Exposure-Quote zum Berichtsstichtag auf 4,5 % gegenüber 10,4 % zum Jahresultimo 2017 mehr als halbiert. Nach Abschluss der Privatisierung und dem Verkauf notleidender Kredite der Abbaubank an Investoren (Portfolio-Transaktion) wird die Bank nahezu vollständig von Altlasten befreit sein und eine auch im europäischen Vergleich niedrige NPE-Quote von rund 2 % erreichen.

Die harte Kernkapitalquote (CET1-Quote) liegt bei soliden 16,1 % (31.12.2017: pro forma 15,4 %) und spiegelt die verringerten Risikoaktiva (RWA) in Höhe von 24,2 (31.12.2017: pro forma 26,2) Mrd. Euro. Die Leverage Ratio, die das Kernkapital ins Verhältnis zum Geschäftsvolumen setzt, belegt mit sehr guten 8,1 % (31.12.2017: 7,7 %) ebenfalls die Solidität der Bilanzstruktur.

Die Konzern-Bilanzsumme hat sich im Einklang mit der laufenden Transformation und aufgrund reduzierter Forderungen an Kreditinstitute planmäßig weiter auf 61,3 (31.12.2017: 70,4) Mrd. Euro verringert.

Ausblick

Die Bank geht im Zusammenhang mit der Privatisierung und der laufenden Transformation von weiteren erheblichen Belastungen vor allem durch Restrukturierungsaufwendungen aus und erwartet deshalb für das Geschäftsjahr 2018 unverändert einen Verlust vor Steuern von rund -100 Mio. Euro. Im Zuge des Eigentümerwechsels kann sich diese Prognose ändern. Das abschließende Closing des Verkaufs und der damit einhergehende Eigentümerwechsel wird zeitnah erwartet.

Gewinn- und Verlustrechnung (in Mio. Euro) Jan - Sept1
2018
Jan - Sept
2017
Veränderung
in %
Zinsüberschuss 398 390 2
Provisionsüberschuss 22 52 -58
Ergebnis aus Sicherungszusammenhängen -8 -14 43
Ergebnis aus FVPL kategorisierten Finanzinstrumenten2 -25 159 >-100
Ergebnis Finanzanlagen3 101 406 -75
Gesamtertrag
 
488
 
993
 
-51
 
Risikovorsorge4 60 -322 >-100
Verwaltungsaufwand -319 -366 -13
Sonstiges betriebliches Ergebnis 50 96 -48
Aufwand für Bankenabgabe und Einlagensicherung -34 -41 -17
Ergebnis vor Restrukturierung und Privatisierung
 
245
 
360
 
-32
 
Ergebnis aus Restrukturierung und Privatisierung -49 -43 -14
Aufwand für öffentliche Garantien -188 -116 62
Ergebnis vor Steuern
 
8
 
201
 
-96
 
Ertragsteuern -110 -25 >100
Konzernergebnis
 
-102
 
176
 
>-100
 
Den Anteilen ohne beherrschenden Einfluss zurechenbares Konzernergebnis
1 10 >-90
Den HSH Nordbank-Aktionären zurechenbares Konzernergebnis -103 166 >-100


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Weitere Kennzahlen 30.09.2018 31.12.2017
Bilanzsumme (in Mrd.Euro) 61,3 70,4
Risikoaktiva (RWA; in Mrd. Euro) 24,2 26,2 5
Harte Kernkapitalquote (CET1-Quote in %) 16,1 15,4 5
Mitarbeiter/-innen (VAK) 1.720 1.926
Cost-Income-Ratio (in %) 59 32


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1 Angaben zum 30.09.2018 sind nach IFRS 9 erstellt worden. Angaben zur Vergleichsperiode sind nicht angepasst und wurden nach IAS 39 ermittelt.

2 Im Vorjahr, unter IAS 39, die Position Handelsergebnis (FVPL = Fair Value through Profit or Loss).

3 Inkl. Sonstiger Ergebnispositionen.

4 Inkl. Sicherungswirkung aus Kreditderivat Zweitverlustgarantie.

5 Ab März 2018 werden die Kapitalquoten nicht mehr unter der Berücksichtigung der regulatorischen Entlastungswirkung der Ländergarantie abgebildet. Zu Vergleichszwecken mit den Kapitalkennzahlen am Berichtsstichtag werden zum 31.12.2017 „pro-forma“ Quoten ausgewiesen.

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