Fleischwarenindustrie: Ertragsdruck verlangt klare strategische Positionierung

Bei den fleischverarbeitenden Unternehmen schrillten die Alarmglocken: Vier Insolvenzen von größeren Unternehmen aus der deutschen Fleischindustrie in kurzer Folge schüttelten die Fleischbranche in den ersten Monaten 2017 durcheinander. Durch den kräftigen Anstieg der Rohmaterialkosten im Frühjahr schmolzen die ohnehin nicht üppigen Margen wie Schnee in der Frühlingssonne. Wer die steigenden Kosten beim Rohmaterialeinkauf nicht an seine Kunden weitergeben konnte, geriet schnell in die Verlustzone.

Die fleischverarbeitende Industrie ist mit einem Umsatzvolumen von gut 21 Milliarden Euro eine der größten Einzelbranchen in der deutschen Ernährungswirtschaft. Und sie ist trotz des zunehmenden Konsolidierungsdrucks immer noch stark fragmentiert: Unter den rund 930 Unternehmen treten reine Fleischverarbeiter auf dem deutschen Markt gegen integrierte Fleischproduzenten, Fleischwerke des Handels sowie Filialisten und traditionelle handwerkliche Fleischereien an – Wettbewerbergruppen, die sich in ihrer strategischen Positionierung deutlich unterscheiden.

Die aktuelle „Branchenstudie Fleischwarenindustrie“ der HSH Nordbank zeigt die Kostenrisiken und den Ertragsdruck in der Fleischwarenindustrie auf. „Die Deutschen essen seit Jahren weniger Fleischwaren. Zugleich sind viele verarbeitende Betriebe, deren Produkte leicht austauschbar sind, in einer Sandwichposition zwischen Lieferanten und dem Lebensmitteleinzelhandel“, erklärt Tim Muhle, Leiter Ernährungswirtschaft. Eine Schärfung der strategischen Positionierung ist nötig. Erfolgreiche Fleischwarenhersteller zeichnet eine klare Fokussierung entweder auf eine Kostenführerschaft oder eine Produktdifferenzierung aus.